Inspiration

 

Puppen, Figuren und Marionetten haben mich das ganze Leben begleitet.
Schon als fünfjähriges Mädchen sass ich stundenlang in Mutters Schneideratelier und bastelte ganze Stoffpuppenfamilien, mit denen ich dann spielte. Es ging da auch manchmal heftig zu und her, wenn ich meinen Alltag verarbeitete und spielte.
Während meiner Ausbildung zur Kindergärtnerin lernte ich die Puppenspielerin THERESE KELLER kennen, die einst sagte: „Kaspers Reich ist das reichste. Es ist eine Welt der Prinzessinnen, Bettler, Könige und Hofnarren, der Drachen, Geister, Zwerge, Paradiesvögel, eine Welt des Schaurigen, des Abenteuers und des unbeschwerten Schabernacks.Es ist ein kleines, übersichtliches Abbild des grossen, verwirrenden Menschenlebens, ein Miniatur-Weltlauf.“ Dieser Frau gebührt meine ganze Bewunderung.
Ich benutzte Figuren für mein pädagogisches Schaffen, merkte bald, dass es für Kinder eine Hilfe darstellt, wenn sie durch Puppen sich mitteilen können.
In der Schule für Gestaltung in Zürich, lernte ich dann das Handwerk des Marionettenbaus kennen.
Meine Freundin und ich spielten wir während über 20 Jahren im Peterhanskeller in Winterthur, auf der wunderbaren Bühne, die von HEINER GROSS entworfen und gebaut wurde. Wir schrieben jedes mal ein neues Stück und jeder zweite Mittwoch war Aufführung im gut besetzten Theater. Mit der Zeit fanden dann jeweils zwei Aufführungen im Tag statt.
Leider wurde dann der Keller für andere kulturelle Zwecke umfunktioniert, sodass wir uns eine eigene Bühne herstellten. Eine Bühne, aus Vierkannthölzern und gefärbten Tüchern, die innerhalb einer halben Stunde aufgestellt werden konnte. Die wir zwei Frauen, oder auch mal eine allein, problemlos transportieren und aufstellen konnten.
So spielten wir auf der Strasse und in Parks, an Veranstaltungen weiter.
Das Kinderprogramm an den Winterthurer Musikfestwoche wurde auch von, und durch uns auf die Beine gestellt.
Die Wichtigkeit des Puppenspieles ist schon seit Langem bekannt.
Es wird bei Goethe, der viel mit Puppen gespielt hat, erwähnt:
„Kinder (Menschen) brauchen Puppen und Spiele“. Johann Wolfgang von Goethe, der als Kind ein Puppentheater geschenkt bekommen hatte und leidenschaftlich damit spielte, liess sich später von dem Stoff zu seinem Faust inspirieren.
Kleists Essay „Über das Marionettentheater“, gilt heute als eine der berühmtesten und meistdiskutierten Schriften Kleists, die sich mit dem Leben und der Philosophie beschäftigt.

Mit der Zeit entstand bei mir der Wunsch, die Figuren allein durch ihr Wesen sprechen zu lassen. Wesen gestalten, die die Fantasie der Betrachter*In anregen, die sie zum Verweilen einladen, das ist jetzt meine Passion.
Die Kunst in den kleinen Köpfen eine Mimik wiederzugeben.
Welch Glücksgefühl, wenn es dann von den Betrachter*Innen auch erkannt wird.
Meine Inspiration hole ich aus meinem Alltag, aus Geschichten, aus der Mythologie und meiner eigenen Fantasie.

 

Meine Geschichte

Nie werde ich diesen Sonntag im Herbst 1954 vergessen. Es regnete, war grau und meine Eltern machten ihren Mittagsschlaf. Ich war mit mir und meiner Fantasie zufrieden  In meinem Zimmer befand sich zugleich das Schneideratelier meiner Mutter, überall gab es Material zum Basteln. All die Feen und Gnome, die ich aus Märchen kannte und die ich auch sehen konnte, wollte ich darstellen. So war an diesem Sonntag mein erstes kleines Püppchen entstanden. Ab dem Moment habe ich die Regensonntage geliebt, ja sogar darauf gewartet. Meine Kreativität kannte keine Grenzen und das ist bis heute so geblieben. In meinem Beruf als Kindergärtnerin konnte ich meine Kinder erfreuen, dann als Mutter meine zwei Kinder, und jetzt als Grossmutter alle Kinder.

Eine Figur ensteht

Nach einer Einstiegsmeditation kommen mir Gefühle und Bilder aus der Tiefe hoch. Meine Befindlichkeit, meine Emotionen bekommen einen Namen, eine imaginäre Form. Transformation darf entstehen, aus Angst wird Hoffnung, aus Wut entspringt Mitgefühl, aus Trauer Trost. Aus meiner selber entwickelten Modelliermasse forme ich zuerst den Kopf und zwar solange, bis mich das Ergebnis befriedigt. Hände und Füsse werden für jede Figur individuell gestaltet. Während der Trockenzeit von ein bis zwei Tagen widme ich mich dem Innenleben, das aus einem Holzgestell und Rundstäben entsteht, die mit kleinen Lederstücken verbunden sind. Auf einem Spaziergang suche ich dann das passende Holz für das Spielkreuz, das einmal aus Schwemmholz oder manchmal aus Wurzeln gefertigt wird. Anschliessend wird die Figur bemalt, nass in nass, an Fäden aufgehängt, getauft und fotografiert. Aus der Vision ist Wirklichkeit geworden. Nun darf sie auch einer anderen Person Freude machen, die sie erwerben möchte. Jede Figur ist ein Unikat, aus meiner Seele geboren und aus Naturmaterialen angefertigt.